Dieses Blog nutze ich seit längerem nicht mehr.

 

Irgendwann mal aufgehört, kam im Selben Konto ein neues Blog hinzu. Schwerpunkt Fotografie.

Das ist hier also das Original-Genussdenker-Blog. Lange unsichtbar, doch nun hat sich mein Horizont wieder Richtung Philosophie verschoben, und so werde ich ihn quasi „saisonal“ weiterführen.

 

Mein Zweites Blog : sieh Link-Liste

Eine Auflistung sämtlicher möglicher Rollen würde den Rahmen eines Blogs freilich sprengen. Wie bereits erwähnt, können Rollen ebenso inhaltlicher wie konstitutioneller Natur sein. Konstitutionelle Rollen entsprechen denen von Berufen, Familien usw. Rollen, welche eng mit der äusserlich wahrnehmbaren Identität verknüpft sind. Dabei kann es sich auch um temporäre Identitätsindikatoren handeln (zB Beruf).

Inhaltliche Rollen (welche zugleich auch konstitutionelle Rollen sein können) werden Menschen oftmals dann gewahr, wenn sie in Gegenüberstellung äquivalenter Rollen stehen. Dies gilt besonders für jene welche sich im kulturellen, im interkulturellen aber auch im religiösen und politisch-ideologischen Rahmen bewegen.

Ein gläubiger, gar praktizierender Christ der auf einen ebensolchen Muslimen trifft und sie miteinander kommunizieren, nimmt für gewöhnlich seine spezifische Rolle ein. Das konkurrenzierende Verhältnis zueinander wird von diesen Rollen dann getragen und beide schöpfen aus ihrem argumentativen Vokabular.

Verschärft sich das konkurrenzierende Verhältnis der beiden, so geht ihre Rhetorik weit über religiöse Belange hinaus. Es offenbart sich dabei, dass Rollen stets miteinander verknüpft sind. Moralethische wie auch besonders politische Belange erweitern folglich das jeweilige Rollenbild. Dabei spricht man bestenfalls von Erweiterung des Themenkreis.

Die Frage, inwiefern Indikatoren einer Identität zur Rollenbildung und schlussendlich zur Meinungsbildung eines argumentierenden Menschen beiträgt, kann nicht mehr ignoriert werden.

Bereits Blaise Pascal der in seinen Pensées das (katholische) Christentum argumentativ verteidigt, offenbart sich an anderer Stelle in seinen Schriften wo er schrieb : „Alle Überlegungen unserer Vernunft laufen darauf hinaus, dem Gefühl nachzugeben“ (B.Pascal ‘Pensées’ ‘Nicht eingeordnete Papiere’/Serie XXIII)

Diese gewiss naiv geäußerte Aussage ist von elementarer Bedeutung. Damit relativiert Pascal zugleich seine Plädoyer’s. Dass Blaise Pascal mit dieser Aussage seine feurigen Plädoyer gleich selber relativiert, ist für uns von geringerer Bedeutung.  Die heutige Psychologie würde zudem diese Prämisse zu einem gewissen Grad bejahen und es erinnert mich indirekt wieder einmal mehr an „Motivation und Persönlichkeit“ von A.H. Maslow.

Und zwar viel weniger aufgrund seiner Motivationstheorie, sondern seines Begriffes wegen über „Selbstverwirklichung“. Dabei stellt sich für mich die dringende Frage, ob selbstverwirklichende Menschen viel weniger zur Determinierung ihrer Rollen aufgrund ihrer Identitäten neigen.

Auch selbstverwirklichende Menschen nehmen ihre Rollen ein. Doch mögen sich solche Menschen ihrer Rollen bewusster sein und sich auch „außerhalb ihrer Rollen, außerhalb ihrer Identität denken“.

Dies scheint angesichts der Erkenntnis dass Nicht-Selbstverwirklichende vielmehr auf ihre jeweiligen Rollen angewiesen sind zutreffen.

Alleine, in nächtlichen Stunden wie diesen braucht man keine Rolle anderen gegenüber einzunehmen. Könnte man überhaupt so weit gehen und kategorisch sagen „Sobald wir in Kontakt mit anderen Menschen treten, nehmen wir Rollen ein“? Auf kognitive Ebene bezogen, wäre dies durchaus zu bejahen.

Die Rollen sind vielfältig. So ist man etwa innerhalb der Familie Sohn, Tochter, Vater, Mutter, man ist Neffe, Enkel, Onkel, Tante usw. Man ist aber auch zB Stiefvater, Schwiegermutter, Schwiegersohn, Bruder, Schwester usw. Solche Rollen finden wir natürlich auch in der Arbeitswelt. Der „einfache“ Arbeiter, der Chef, das Kader (welche ja auch wiederum oft Chefs sind). In der Gegenüberstellung von Arbeitswelt und Familie erkennt man diesbezüglich leichtens, dass es zwei Grundkategorien gibt : hierarchische Rollenverteilungen und nicht-hierarchische.

Die rechtliche, die juristische Rollenverteilung ist also besonders in hierarchischen Systemen von Bedeutung, aber in letzter Konsequenz auch in nicht-hierarchischen.  Das Käufer – Verkäufer -Verhältnis etwa eines davon.

 

Doch Rollen haben mehr Gehalt als lediglich Macht oder Recht. Sie sind gerade auch inhaltlicher Natur. So nehmen in der Berufswelt Politiker, Künstler, Handwerker usw ihre Rollen ein. Diese Rollen sind oftmals von Stereotypen gezeichnet.

 

Interessant ist, dass der einzelne Mensch stets mehrere Rollen zugleich einnimmt. Ein Künstler kann also zugleich Ehemann, Vater, Käufer (& potenzieller Kunde), Verkäufer, Tourist usw sein. Vielleicht bekleidet er noch ein kommunal-politisches Amt; was also auch immer.

Wie sehr – das ist meine Themenfrage hier – definieren sich Menschen durch Rollen? Dienen sie bloß als rhetorisches Mittel, oder sind sie gar Teil der Identifikation? Wie sehr unterscheiden sich Menschen diesbezüglich?

Selber gehe ich davon aus dass sich selbstverwirklichende Menschen weniger aufgrund ihrer festen und temporären Rollen definieren.

Bei sich weniger selbstverwirklichenden Menschen fällt hingegen auf, dass Sie in Argumenten sehr oft auf die entsprechenden Rollen verweisen. Zur Klarstellung : das Maß der Selbstverwirklichung ist fliessend, man sollte diesen Begriff auch nicht allzu sehr werten.

Ein auffälliges Verweisen auf die Rollen anderer ist für mich ein deutlicher Hinweis auf mangelnde Selbstverwirklichung. Die Rollen dienen solchen Menschen also zur Identifikation. Von Belang scheinen bei solchen die jeweiligen Rollen. Das macht es für sie auch einfacher Recht und Unrecht voneinander zu unterscheiden.

Eine Thematik an die ich nächstes Mal anknüpfen werde.

Die Wahrnehmung über Welt geschieht durch unsere Sinne, durch das was wir fähig sind, wahrzunehmen. Doch nehmen wir ja nicht nur wahr, wir interpretieren, wir deuten auch. Unablässig. Und wir empfinden. Parallel dazu.

Und irgendwann trennen wir zwischen dem Wahrgenommenen, dem Empfundenen, dem Interpretiertem und dem Wissen. Wir kategorisieren, verwerfen und speichern. Zugeordnet nach Priorität. Prioritäten welche unterschieden werden in die welche Bedürfnisse fordern und die, welche nach Vernunft gesetzt werden. Manchmal sind sie miteinander konform, manchmal kollidieren sie.

Vor und nach diesen Vorgängen ist schlussendlich alles Wissen. Informationen. Durch unsereiner selbst erlebt, erarbeitet und verarbeitet. Bereit, bei Bedarf abgerufen zu werden.

So entstehen die „Ideen“ im Leben und die Verständnisse über die Welt. Wir wissen und ahnen, vermuten und vergewissern, dass Teile dieser Ideen und Verständnisse der Wahrheit entsprechen. „Suche nach Wahrheit“. Und in unserer Identität an die wir festhalten, selbst dann wenn sie verdrängt, verleugnet und verfälscht wird, sind wir uns nicht mehr so gewiss, ob die Wahrheit der Identität oder die der Welt außerhalb entspricht. Mechanismen treten in Kraft, um sich die Gedanken so einzurichten, dass sie im Verlauf immer mehr der Kompatibilität entsprechen. Wer könnte schon seine eigene Identität außerhalb der Wahrheit akzeptieren?

 

Wir ahnen, dass sich all diese Ideen, diese Vorstellungen und Verständnisse sich nicht miteinander vereinbaren lassen. Berufen uns bei Bedarf auf das Recht Individuum zu sein. Alles steht parallel zueinander. Im Drang nach Kompatibilität versuchen wir diesen verräterischen Mangel aufzuheben. Und fordern es Vernunft oder Empfinden, die Dinge isoliert zu betrachten, holen uns unerwartete Ereignisse für einem Moment lang aus diesen Mechanismen, so achten wir uns heimlich, die Verbindungen zwischen den isolierten Dingen aufrecht zu erhalten.

Doch stets empfinden wir dabei und alles was uns widerfährt, gründet in der Auffassung und in der Verarbeitung auf eben diesem Empfinden. So werden wir zu Wesen, die sich verleugnen, die sich hinter Ideen und Begründungen verstecken. Aber stets und unablässig im ambivalenten Begehren, dieses aufbrechen zu lassen.

Die Wahrheit lässt uns nicht wissen, wie sie beschaffen ist und wie sie sich erkennen lässt. Sie kommt nicht zu uns, wir müssen zu ihr. Gleichzeitig umgibt sie uns, in der Gewissheit, dass wir nicht gleichzeitig in alle Richtungen blicken können. So fangen wir das auf, was uns bleibt, strukturieren es, machen es konform.

Fotografie und Musik zeigen uns, dass die Verfügbarkeit ein wesentliches Bedürfnis darstellt. So kommt die Frage auf, ob denn Verfügbarkeit sogar ein allgemeines, ein grundsätzliches menschliches Bedürfnis ist. Nicht nur auf die mediale Technik wie der von Fotografie und Musik oder auch Filmen/TV beschränkt. Und wenn dies der Fall sein soll, ob sich dieses Bedürfnis in das noch allgemeinere, noch grundsätzlichere Bedürfnis nach Komfort einordnen ließe.

Es scheint, als liefen da mehrere Fäden zusammen. Zum Einen geht’s da um den funktionalen Aspekt der Verfügbarkeit, der klar für das menschliche Bestreben nach Komfort spricht.

Komfort im Funktionalem bedeutet jedoch nicht nur bloß ein höheres Maß an Bequemlichkeit, sondern auch Effizienz.

Dieses Phänomen kennen wir aus der Werbung. Die Produkte sollen uns nicht nur mehr Funktionen bieten, sondern gleichzeitig die Funktionen quasi „bündeln“. Diese funktionale Konzentration soll dann wiederum mehr Zeit für Anderes lassen. Die Prozesse, die Vorgänge, werden somit effizienter.

Dies beschränkt sich nicht nur auf die Unterhaltungsindustrie und Industrie für das Privatleben, sondern betrifft gleichermassen die Industrie und Wirtschaft im Gesamten. Effizienz bedeutet da schließlich höheren Produktionsausstoss.

Zum Anderen natürlich die Bequemlichkeit. Weniger Aufwand für’s Unangenehme ist da der offensichtlichste Aspekt. Doch, warum wollen wir auch den Aufwand für diejenigen Dinge, Tätigkeiten mindern, welche uns am Herzen liegen, Dinge die wir ja mögen? Oder nehmen wir einfach eine neue Technik zugunsten der Verfügbarkeit an? Also ohne ein absichtliches Streben nach noch mehr Komfort? Wenn wir etwas mögen, dann mögen wir es noch mehr, wenn damit weniger Aufwand verbunden ist. Sprich : die gleiche Tätigkeit etwas komfortabler.

Die Vermutung, dass Verfügbarkeit innerhalb der allgemeinen Strebens nach Komfort ein wesentliches Bedürfnis ist, bestätigt sich immer mehr. Die Fäden laufen da zusammen, in der Vergegenwärtigung dass Verfügbarkeit auch die Effizienz steigert. Insbesondere die Digitalisierung führte uns dies vor Augen.

Allmählich fragt sich, ob denn die Digitalisierung einen größeren Einfluss auf uns haben wird, als die vorangegangene Industrialisierung.  Lärmende, rauchende Maschinen sind uns zu offensichtlich. Die Waagschale zwischen dem was sie an Komfort bringen aber auch für Gefahren, scheinen wir gefunden, scheinen wir „stabilisiert“ zu haben.

Doch so unsichtbar verborgen wie digital gespeicherte Daten sind, scheinen es auch die damit möglichen einhergehenden Auswirkungen.  Dabei stellt das Internet lediglich ein Teil dieser gesamten Entwicklung dar.

So vielfältig und subtil sowie differenziert diese Entwicklung ist, ebenso gestaltet sich auch die Analyse  und Bewertung über sie.

Ist es möglich dass technische Aspekte das Empfinden von Ästhetik beeinflusst? Der traditionelle Vergleich Malerei – Fotografie könnte eine Antwort aus der Malerei auf die Fotografie übertragbar sein.

Und tatsächlich kann für die Malerei diese Frage beantwortet werden. Die Malerei kennt zwei Medien, das Papier und das Tuch. Das Medium ist also für die Bildwirkung ausschlaggebend. Natürlich kann man ein Gemälde abfotografieren und danach auf einem Bildschirm betrachten. Doch die Bildwirkung ist trotz identischem Bild nicht die Selbe.

Die Beschaffenheit der Oberfläche eines Mediums, die verwendeten Farben und Stifte sind immer stets Teil des künstlerischen Schaffens. Und innerhalb eines Rahmens der Möglichkeiten bewegt sich eine Kunstform.

 

Dies gilt zweifellos auch für die Fotografie. Doch während sich die beiden Medien der Malerei nie geändert haben, so haben sich die Medien für die Fotografie. Dabei handelt es sich nicht einfach um eine Möglichkeit der Wiedergabe, sondern um die materielle Essenz. Anders ausgedrückt : nach wie vor werden zwar Fotos ausgedruckt. Doch das Papierbild ist nicht mehr das prioritäre Medium, sondern mittlerweile die Alternative. Der Aufwand, hoch qualitative Abzüge aus digitalen Speichermedien herzustellen, ist nicht gering und die so genannte „Fine-Art“-Fotografie hat sich daher sogar spezialisiert, während es zu Zeiten der analogen Fotografie jedem Amateurfotografen ein schwergewichtiges Anliegen war, hoch qualitative Abzüge zu erhalten.

 

Doch rein künstlerisch erfährt die Fotografie eine Renaissance. Insbesondere die Amateurfotografie zeigt sich in allen Facetten und Viele streben einen hohen künstlerischen Wert in ihren Bildern an. Womöglich findet hier eine Gegenentwicklung zur Bilderflut statt. Aber auch – oder gar damit – zum stereotypen Ästhetikempfinden.

Das Verständnis über eine Fotografie, welches über die bloße optische Abbildung hinausgeht, hat wohl wieder einen größeren Kreis gefunden. Damit darf man die Entwicklung der Fotografie im Zuge der Digitalisierung nicht nur negativ sehen, sondern es lässt sich daraus durchaus auch etwas Gutes abgewinnen.

Darüber hinaus scheint nun endgültig festzustehen, in welchem Medium sich die Fotografie befindet. So lassen sich nicht nur Vergleiche mit der Malerei anstellen, sondern auch mit der Musik. Diese wurde ja schon viel früher als die Fotografie von der Digitalisierung „eingenommen“. Und auch in der Musik lebt die analoge Technik weiter. Dass man nun selbst in Großmärkten der Unterhaltungsindustrie wieder Vynil-Schallplatten erhält, hätte man vor Jahren bestimmt nicht gedacht. Doch der Vergleich mit der Musik hinkt etwas : Musik kann nur akustisch wahrgenommen werden und somit verändert sich der essentielle Meduimcharakter deswegen nicht. Doch auch für die Musik war die Digitalisierung verheerend und auch bei ihr war es die Eigenschaft der Verfügbarkeit, welche zu Veränderung der Hörgewohnheiten führte. Mit den Generationen verändert sich damit das Verständnis für das künstlerische Meduim.

Künste, die sich nicht digitalisieren lassen- wie etwa die Bildhauerei – werden wohl nie von einer solchen Entwicklung erfasst werden.

Wir lernen aus der Geschichte, dass auf Entwicklungen oftmals Gegenentwicklungen folgen. Doch auf die technische Entwicklung trifft dies meist nicht zu. Den der Mensch strebt geradezu nach Komfort. Und da bietet sich die Digitalisierung an- ja man kann sagen, die Verfügbarkeit sei ihre wesentliche Essenz. Um den Komfort zu sichern und ihn weiter zu entwickeln, ist sich der Mensch keinem Aufwand zu schade. Komfort bedeutet diesbezüglich weniger Aufwand in der Ausübung.

Verfügbarkeit hat aller Wahrscheinlichkeit einen erheblichen Einfluss auf unser ästhetisches Empfinden. Fest steht, Verfügbarkeit ist ein menschliches Bedürfnis . . .

Die technischen Unterschiede zwischen digitaler und analoger Fotografie (ich beziehe mich da auf KB-SLR) lassen sich in drei Bereiche unterteilen. Zum Einen das Fotografieren selber und zum Anderen die Ausgabe/Präsentation. Dazwischen die Aufarbeitung/Bearbeitung.

Qualitativ hochstehende Digitalfotografie verlangt sehr viel Aufwand und auch Kosten. Und zudem teilt sie auch die EDV-typischen Probleme. Wie etwa Sicherheit und Datenschutz.

Die technischen Aspekte sind das Eine. Mag es auch zu weit gegriffen sein, von einer „Veränderung des Wesens der Fotografie“ zu sprechen. Doch der Stellenwert und die Verwendung der Fotografie haben sich im Zuge der Digitalfotografie merklich verändert. „Verfügbarkeit“ meint diesbezüglich auch, dass nun alle Prozess-Schritte (von Aufnahme bis Ausgabe/Präsentation) mit im Verhältnis wenig Aufwand durchführbar geworden ist. Im Verhältnis zur analogen Fotografie, versteht sich. Da die Bilder von Beginn an auf digitalem Speichermedium, können alle folgenden Schritte am eigenen Rechner durchgeführt werden. Verfügbar in Echtzeit. Das ominöse Labor welches die Filme entwickelte und die Abzüge herstellte, ist aus der Lette verschwunden. Warten, ja auch das Vertrauen in die Laborarbeit, verschwand damit.

Geändert hat sich natürlich auch das Verständnis über die Technik. Durch die Verbreitung der Heim-PC’s kann das selbe Wissen über EDV für die Fotografie genutzt werden und das Wissen über chemo-optische Prozesse entfiel. 

Ein einzelnes Pixel ist stets durch ein anderes ersetzbar. Dies eröffnet eine ungeahnte Dimension der Bildverarbeitung. Alles ist machbar, so die Devise. Störende Bildteile werden eliminiert, die entsprechenden Pixel ersetzt. Angespornt durch die Werbefotografie, eilen unzählige Hobbyfotografen dieser Vorgehensweise hinterher. Ein Foto muss „technisch perfekt sein“. Es muss „clean“ sein . . .

Dies paart sich mit der Präsentation der Bilder. Diese findet nun über eine eigene Homepage statt oder man besitzt einen Account in einer Community.

Werden Menschen dargestellt, so wollen sie möglichst vorteilhaft dargestellt sein. Da theoretisch von Jedem einsehbar der Internetanschluss besitzt, sollte das eigene Konterfei keine Mängel aufweisen. Ist ja auch verständlich.

Doch Viele sind sich leider kaum bewusst, dass es nur die richtige Web-Adresse braucht, um von der „ganzen Welt“ gesehen zu werden. Ob nun die eigens gemachten Bilder, oder sogar das eigene Konterfei. Das Internet macht Einem zur öffentlichen Person.

Während Datenschutz in der analogen Fotografie noch ein Randthema war, wurde es mittlerweile zu einem entscheidendem Bestandteil der Fotografie. Es geht um das juristische „Recht am Bild“. Während es in der analogen Fotografie schwerpunkmässig um die Rechte am Bild bezüglich des zu fotografierenden Objektes ging, verlagerte sich diese Thematik nun zum Recht am Bild selber. Denn Bilder sind nun Daten.

Demgegenüber stehe ich durchaus skeptisch. Einmal Fotos in’s Internet gestellt welche eine private Person zeigen, kann sich die betreffende Person nicht mehr dagegen entscheiden. So entfällt eine selektive Publikumswahl.

Selbstverständlich verhielt sich dies prinzipiell schon immer so. Doch da musste man die Bilder in aufwendigen Massenmedien wie Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlichen. Besonders die Reportage-Fotografie beschäftigte sich mit dieser Thematik.

 

Meiner Ansicht nach fördert die Paarung Digitalfotografie und Internet die Eitelkeit. Psychologisch ist dies ja auch sehr verständlich. Doch aus künstlerischer Sicht frage ich mich da, welchen Einfluss dieses Phänomen auf das Verständnis über die Fotografie nimmt.

Nein, nicht um Treue zwischen Menschen geht es mir hier.

Seit nun gut 20 Jahren fotografiere ich. Was damals mit einer Pocket und dem Buch „Hedgecoes Fotohandbuch“ begann, wurde später fester Bestandteil meiner Freizeitgestaltung.

Mit Ferienarbeit verdiente ich während der Schulzeit das Geld für meine erste Spiegelreflex. Eine Konica T3 kaufte ich zu einem schon damals überrissenem Preis. Kurz darauf kamen dann zwei weitere Objektive zum Standard-50er hinzu. Die Kamera die aus der ersten Hälfte der 70er stammte, liess mich nie im Stich. Sie besass Blendenautomatik, war sehr robust  und die Objektive waren von erstaunlicher Qualität. Ein Stativ und ein bescheidenes Blitzgerät kaufte ich ebenfalls gebraucht hinzu.

 

Der Stellenwert der Fotografie erhielt ein ungeahntes Ausmass und beinahe wäre ich auch beruflich dort gelandet.

Fotografie wurde von „Mal tolle Bilder machen“ zur Kunst. Dabei erwies sich das fotografieren selber lediglich als Teil der gesamten Beschäftigung mit der Fotografie. In der Auseinandersetzung mit Fotografien stöberte ich in unzähligen Büchern und auch Magazinen. Besuchte Ausstellungen und knüpfte Kontakte zu Berufsleuten.

Doch später, vor etwa sechs bis sieben Jahren, stellte sich dann Resignation ein. Die Aktivität liess bis hinunter zum Nullpunkt nach. Während dieser Zeit änderte sich technisch sehr viel.

Als ich mit der Fotografie begann, war es noch nicht mal selbstverständlich, dass man eine Autofocus-SLR besass. Dabei waren es nicht mal die noch verhältnismäßig langsamen Motörchen welche alleinig entscheidungsgebend waren. Sondern vielmehr war es noch eine Sinnfrage und die wurde ausgiebig debattiert. Und Kamera’s wie eine Olympus OM-4ti, Nikon 301, Canon T90 oder die Leica’s die sich dem Autofocus über lange Zeit hinweg verwehren konnten, galten noch State of the Art. Zudem beschränkte sich die Automatisierung in Mittelformatkamera’s noch auf Belichtungsautomatik und dies bekräftigte die Autofocusverweigerer. Mein Umstieg von der altertümlichen, aber robusten Konica geschah über eine Nikon 801s. Mit Autofocus der dritten Generation. Doch als zweites Gehäuse kaufte ich mir bald eine noch mechanische FE-2 hinzu.

Dabei ging es nicht nur Technik. Es war eine Systemfrage. Die ganze Technik ändere nichts daran, dass das Aufnahmematerial immer noch das Selbe war, wie vor Jahrzehnten. Denn damit handelte es sich um die gleiche Kultur. Das Grundprinzip blieb bestehen. Das Alte wurde in die neue Zeit transferiert. So handelte es sich prinzipiell lediglich um eine Optimierung des Bestehenden. Und das angeignete Wissen konnte man stets brauchen, es veraltete nie.

Während der langen Phase meiner fotografischen Untätigkeit reifte die Digitalfotografie. Innerhalb weniger Jahre setzte sich die Digitalfotografie auch im marktentscheidenden Segment der ambitionierten Hobbyfotografie durch. Die Folgen für die Branche waren vergleichbar mit denen der Musikindustrie. Labore mussten drastisch reduzieren, oder gar schliessen, ebenso unzählige Fachgeschäfte. Aber auch renommierte Hersteller waren gezwungen, sich vom Markt zurückzuziehen. Dafür kamen Hersteller in die Fotografie welche Peripherie für Computer bieten. Drucker, Speicherkarten usw.

Aber dafür überlebten Marken wie Ilford, wenn auch unter rigorosen Umstrukturierungen. Und andere wie Olympus erlebten sogar eine Wiederbelebung.

 

Doch die Technik und Ökonomie sind lediglich die augenfälligtsen Aspekte der Veränderung. Denkt man doch nur an den Ersatz für ein kostspieliges und aufwändiges Heim-Labor. Die Software. Ja, Computerprogramme ersetzten das Labor. Ein paar Megabyte Speicherplatz auf der Festplatte befähigt nun den Willigen wofür man früher ein ganzes Zimmer akribisch einrichten musste.

Gewinn oder Verlust?

Was macht in der Praxis den Unterschied zwischen analog (Film) und digital? In erster Linie ist es die Verfügbarkeit. Diese beginnt bereits mit dem Display auf der Rückseite einer Kamera. Eigentlich ist dies äusserst praktisch, den der Fotografierende wird nicht mehr enttäuscht, wenn er seine Bilder vom Fotofachgeschäft (für viel Geld) abholt. Das fotografieren und die Bildbetrachtung erfolgen in Echtzeit – gleichzeitig. Und innerhalb einer Minute kann man ein Foto schiessen und es in’s Internet stellen oder als E-Mail versenden. Die Bilder sind vielfältigst speicherbar, auf zahlreichen Datenträgern. Es braucht kaum mehr physischen Platz, um Foto’s zu archivieren.

Mit dieser beinahe grenzenlosen Verfügbarkeit hat sich auch die Präsentation verändert. Nun braucht man keine Räume mehr zu mieten, um eine Ausstellung zu organisieren. Die irgendwo in einem Gemeinderäumchen für kurze Zeit stattfindet und sowieso nur Freunde hinkommen. Selbst im Netz gibt es mehrere grundsätzliche Varianten, um eigene Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Homepage oder eine der zahlreichen Community’s usw.

Verfügbarkeit auch im technischen Sinn. Die Bildbearbeitung. Sie ist zwar nicht einfacher geworden, doch kein Handwerk mehr. Und gleichbedeutend wie die öffentliche  Präsentation physikalisch auf’s Minimum reduziert.  Wer ein komplexes Fotoprogramm bedienen vermag, dem stehen alle Möglichkeiten offen.

Nun stellt sich allmählich die Frage, ob sich das Wesen der Fotografie im Zuge der Digitalisierung verändert hat.

Natürlich hat sich die Fotografie immer verändert. Seit den Boxenkameras zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist sie für die Masse erschwinglich. Und Qualität wird durch Technik definiert. Verfeinerung der Bildaufzeichnung, Handlichkeit der Geräte sowie Automatisierung und die Verfügbarkeit der Bilder.

Selbst die in Handy’s eingebauten Miniaturkamera’s bieten eine bessere Qualität, als es die ersten Fotopioniere – die sich noch mit Plattenkamera’s abmühten und das Silber aus Geldmangel vom Ehering abkratzten – für möglich hielten.

Na ja, ganz so dramatisch wird’s wohl doch nicht gewesen sein .  . .

Die Digitalfotografie hat eine Eigenart : einerseits setzt auch sie auf die bisherigen Parameter der physikalischen Gesetzmässigkeiten, andererseits ist ihre Technik nicht einfach (wie es bisher der Fall war) eine Weiterführung des Bisherigen.

Doch dafür, dass sich ja im Grunde „lediglich“ das prinzipielle Aufnahmemedium, das Aufnahmeverfahren geändert hat, hat sich dennoch viel geändert. Nun, soll es nicht einfach um pro und kontra gehen, sondern darum, wie sich die Fotografie als Solches mitverändert hat. Diesem Thema werde ich mich in nächster Zeit vermehrt widmen.

Betrachtet man die Psychologie/Soziologie von ihrem entwicklungsgeschichtlichem Standpunkt aus, so erstaunt wie jung doch diese Disziplin ist. Erstaunen tut dies angesichts dessen, dass es die Disziplin ist, welche sich essentiell mit dem Wesen und dem Verhalten des Menschen auseinander setzt. Ebenso wie die Philosophie ist sie nicht an die Naturwissenschaft  oder ganz allgemein an technische oder politisch-strukturelle Entwicklungen gebunden. Die Psychologie/Soziologie hätte es also durchaus bereits in der Antike geben können.

Warum dem nicht so ist, dafür gibt es natürlich viele Erklärungen. Die meisten deuten darauf hin, dass es aus  thematisch-disziplinären Gründen gar nicht nötig gewesen sei, da Religion und Philosophie diesen Themenbereich abdeckten. Zumal war die institutionelle Religion in früheren Epochen einiges dogmatischer als heute. Da bliebe also die Philosophie.

In der Tat rückte in der römischen Philosophie der Mensch in den Vordergrund. Die ausgeprägte thematische Ethik deren floss sogar in unser modernes Rechtsverständnis ein. In der europäisch-westlichen Ethik ist also ein Teil der römischen Ethik übrig geblieben.

Obschon das Verhalten des Menschen stets Mittelpunkt philosophischer und religiöser Themen war, handelte es sich kaum um das, was wir heute unter Psychologie verstehen.

Bestand also kein Bedarf oder wurde dies dogmatisch-institutionell bewusst unterdrückt?

Eine mögliche Erklärung liegt im grundsätzlichem Menschenbild der früheren Epochen. Dabei geht es jedoch nicht darum, ob diese nun misanthropisch oder philanthropisch waren. Vielmehr war es die fehlende Einsicht, dass sich ein jeder Mensch aus sich selbst entwickelt.

Empirische Methodik und eben diese Einsicht erlaubten die moderne Soziologie/Psychologie. Und daher erstaunt es nicht einmal dass die Soziologie früher reifte. Der Weg zum Individuum führte also über’s Kollektiv. Erst wenn sich das Kollektiv aus den vorgefassten Gegebenheiten wie Herkunft, Stand usw loslösen ließe, wäre dies auch für das einzelne Individuum möglich. Nun handelte der Mensch nicht mehr aus dem Willen höheren Mächten und somit waren die Eigenschaften und Biografien der einzelnen Menschen  auch nicht mehr darauf zurück zuführen.

 

Entscheidend war das Recht. Die Besinnung darauf, dass das Recht nicht dem höher gestellten Stand vorbehalten sein kann markierte den Beginn der Individualisierung innerhalb der Gesellschaft. Recht bedeutet auch Freiheit und Freiheit bedeutet wiederum aber auch Verantwortung. Parallel dazu Macht. Während die Verantwortung in früheren Epochen einzig der institutionellen Macht vorbehalten war, so führte die Pluralisierung des Rechts zur Verantwortung des Individuum’s. Diese beiden Entwicklungen fanden also parallel statt und gingen miteinander einher.

 

Verantwortung kann aber auch ungemütlich sein, kann unbequem sein. Die Macht welche sich von der Institution zum Gewissen der Einzelnen verlagerte. Wer es also schafft, an das Gewissen der Einzelnen zu appellieren, besitzt Macht. Intuitiv spüren wir dies. Und nicht wenige möchten sich dem entziehen. dabei finden Mechanismen statt, welche denen sehr ähneln, denen man längst absagte. Dabei kollidiert man aber mit dem Recht.

So ist es also nicht erstaunlich, dass sich Erklärungsversuche über’s menschliche Verhalten vermehrt an uns nicht erreichbare Mechanismen orientieren.

Damit wird die Errungenschaft der Psychologie/Soziologie bedauerlicherweise vermehrt ausgeblendet. Der Mensch der handelt, weil es seine Attribute und seine Biografie es so aufdrängt. Die Delegierung der Verantwortung an höhere Mächte.

Sind wir also zivilisatorisch wirklich weiter als die Menschen früherer Epochen? Diese Frage kann nur für das einzelne Individuum beantwortet werden . . .

Es ist wieder mal soweit. Nacht.

Nachts ist man mehr alleine als am Tag. Oder ist es eher umgekehrt? Weil die Welt da draußen schläft und daher sowieso keine Aktivitäten stattfinden? Sowohl Tag als auch Nacht bieten Gründe des Empfindens von Einsamkeit.

Doch es gibt ja nicht „nur“ die physische Einsamkeit. Die Einsamkeit welche in der Regel Kontaktlosigkeit meint. Und zudem noch bezüglich spezifischer Bedürfnisse. Ob sozialer, ob zwischenmenschlicher Natur.

Zweifellos gibt es verschiedene Formen der Einsamkeit. Empfunden wird sie seelisch, geistig. Gibt es auch quasi inhaltliche Form von Einsamkeit? Also dann, wenn sie nicht auf physischer, auf quantitativer Ebene empfunden wird?

Gewiss.

Zum Beispiel in Trauer oder gar innerhalb einer zwischenmenschlichen, partnerschaftlichen Beziehung kann Einsamkeit durchaus intensiv empfunden werden. Gerade kann etwa körperliche, physische Nähe erst Recht Einsamkeit hervorrufen. Und eine Form von geistiger Einsamkeit ist das nicht verstanden werden. Im Zeitalter des Individualismus und der gleichzeitigen Interessenkollisionen ist diese Form der Einsamkeit ein unsere Gesellschaft prägendes Phänomen geworden. Und man könnte nun darüber debattieren, ob denn Individualismus zwangsläufig zu Interessenkollisionen führe. Nahe liegt es jedenfalls.

„Don’t let me be misunderstood“ sang auf seinem Debüt einst Joe Cocker. Im Original von Eric Burdon’s The Animals. Wenn auch nicht ganz so gemeint wie hier, und so lauten passenderweise andere Titel des Albums „With a little help from my friends“ oder „Do I still figure in your life?“. Ich mag das Album. Und nicht vorzugsweise weil Jimmi Page (Led Zeppelin), Matthew Fisher (Procol Harum) oder Steve Winwood darauf mitwirkten. Nein, weil es eine so herrliche Mischung aus Melancholie und Enthusiasmus verströmt. Man kann sich richtig vorstellen wie Cocker bei den Aufnahmen mit den Armen ruderte; bekanntermassen sein Markenzeichen neben seiner Stimme.

Sind wir eine Gesellschaft von Missverstandenen? Unverstanden obschon wir doch so zahlreiche essentielle Bedürfnisse teilen? Über solche Fragen zerbrechen sich Soziologen jahrelang die Köpfe.

Provokanterweise müsste man schon beinahe fragen, ob denn das Recht auf individuelles Bedürfnis Einsamkeit erst ausgeprägt schaffe. Nein, von diesem recht können und sollen wir nicht abkommen. Das Individuum steht sonst schon genug im Konflikt mit dem Kollektiv. Auf welche Verbindlichkeiten ließe sich da noch einigen?!

Wir alle besitzen unser Empfinden und unser Denken nur für uns selbst. Das Gesagte, das Geschriebene – ja und natürlich das Verhalten selber – die Handlungen dringen nach außen. Als wäre ein Individuum ausschließlich eine Mischung aus Eigenschaften und Handlungen. Nein, wir sind auch Denkende, sind Empfindende.

Das Leben findet im Sein statt. Man empfindet, man denkt das Leben, die Welt. Man nimmt es wahr, man verarbeitet es.

Isoliert von all dem was nach außen dringen kann, befinden sich die Gedanken.

Ja gewiss, sie lassen sich austauschen.

Doch kann man nur für sich selber denken. Und so wie dies ein ungeheuerlicher Gewinn ist, so kann es auch zum Verhängnis werden.

Wenn die konkreten Gedanken der Menschen nicht unterschiedlicher sein könnten, wenn wir auch manchem Gegenüber dem wir in unserem Leben begegnen nicht verstehen, so ist uns doch dieser Umstand der Isolation der Gedanken gemeinsam.

Jeder denkt für sich.

Alle zusammen.

Hoffen wir es zumindest . . .

 

Glauben wir doch weiterhin an die Illusion, verlieren wir nicht den Enthusiasmus.

„How do I feel at the end of the day?“

- „Are you sad, ’cause you’r on your’ own“