Nein, nicht um Treue zwischen Menschen geht es mir hier.
Seit nun gut 20 Jahren fotografiere ich. Was damals mit einer Pocket und dem Buch „Hedgecoes Fotohandbuch“ begann, wurde später fester Bestandteil meiner Freizeitgestaltung.
Mit Ferienarbeit verdiente ich während der Schulzeit das Geld für meine erste Spiegelreflex. Eine Konica T3 kaufte ich zu einem schon damals überrissenem Preis. Kurz darauf kamen dann zwei weitere Objektive zum Standard-50er hinzu. Die Kamera die aus der ersten Hälfte der 70er stammte, liess mich nie im Stich. Sie besass Blendenautomatik, war sehr robust und die Objektive waren von erstaunlicher Qualität. Ein Stativ und ein bescheidenes Blitzgerät kaufte ich ebenfalls gebraucht hinzu.
Der Stellenwert der Fotografie erhielt ein ungeahntes Ausmass und beinahe wäre ich auch beruflich dort gelandet.
Fotografie wurde von „Mal tolle Bilder machen“ zur Kunst. Dabei erwies sich das fotografieren selber lediglich als Teil der gesamten Beschäftigung mit der Fotografie. In der Auseinandersetzung mit Fotografien stöberte ich in unzähligen Büchern und auch Magazinen. Besuchte Ausstellungen und knüpfte Kontakte zu Berufsleuten.
Doch später, vor etwa sechs bis sieben Jahren, stellte sich dann Resignation ein. Die Aktivität liess bis hinunter zum Nullpunkt nach. Während dieser Zeit änderte sich technisch sehr viel.
Als ich mit der Fotografie begann, war es noch nicht mal selbstverständlich, dass man eine Autofocus-SLR besass. Dabei waren es nicht mal die noch verhältnismäßig langsamen Motörchen welche alleinig entscheidungsgebend waren. Sondern vielmehr war es noch eine Sinnfrage und die wurde ausgiebig debattiert. Und Kamera’s wie eine Olympus OM-4ti, Nikon 301, Canon T90 oder die Leica’s die sich dem Autofocus über lange Zeit hinweg verwehren konnten, galten noch State of the Art. Zudem beschränkte sich die Automatisierung in Mittelformatkamera’s noch auf Belichtungsautomatik und dies bekräftigte die Autofocusverweigerer. Mein Umstieg von der altertümlichen, aber robusten Konica geschah über eine Nikon 801s. Mit Autofocus der dritten Generation. Doch als zweites Gehäuse kaufte ich mir bald eine noch mechanische FE-2 hinzu.
Dabei ging es nicht nur Technik. Es war eine Systemfrage. Die ganze Technik ändere nichts daran, dass das Aufnahmematerial immer noch das Selbe war, wie vor Jahrzehnten. Denn damit handelte es sich um die gleiche Kultur. Das Grundprinzip blieb bestehen. Das Alte wurde in die neue Zeit transferiert. So handelte es sich prinzipiell lediglich um eine Optimierung des Bestehenden. Und das angeignete Wissen konnte man stets brauchen, es veraltete nie.
Während der langen Phase meiner fotografischen Untätigkeit reifte die Digitalfotografie. Innerhalb weniger Jahre setzte sich die Digitalfotografie auch im marktentscheidenden Segment der ambitionierten Hobbyfotografie durch. Die Folgen für die Branche waren vergleichbar mit denen der Musikindustrie. Labore mussten drastisch reduzieren, oder gar schliessen, ebenso unzählige Fachgeschäfte. Aber auch renommierte Hersteller waren gezwungen, sich vom Markt zurückzuziehen. Dafür kamen Hersteller in die Fotografie welche Peripherie für Computer bieten. Drucker, Speicherkarten usw.
Aber dafür überlebten Marken wie Ilford, wenn auch unter rigorosen Umstrukturierungen. Und andere wie Olympus erlebten sogar eine Wiederbelebung.
Doch die Technik und Ökonomie sind lediglich die augenfälligtsen Aspekte der Veränderung. Denkt man doch nur an den Ersatz für ein kostspieliges und aufwändiges Heim-Labor. Die Software. Ja, Computerprogramme ersetzten das Labor. Ein paar Megabyte Speicherplatz auf der Festplatte befähigt nun den Willigen wofür man früher ein ganzes Zimmer akribisch einrichten musste.
Gewinn oder Verlust?
Was macht in der Praxis den Unterschied zwischen analog (Film) und digital? In erster Linie ist es die Verfügbarkeit. Diese beginnt bereits mit dem Display auf der Rückseite einer Kamera. Eigentlich ist dies äusserst praktisch, den der Fotografierende wird nicht mehr enttäuscht, wenn er seine Bilder vom Fotofachgeschäft (für viel Geld) abholt. Das fotografieren und die Bildbetrachtung erfolgen in Echtzeit – gleichzeitig. Und innerhalb einer Minute kann man ein Foto schiessen und es in’s Internet stellen oder als E-Mail versenden. Die Bilder sind vielfältigst speicherbar, auf zahlreichen Datenträgern. Es braucht kaum mehr physischen Platz, um Foto’s zu archivieren.
Mit dieser beinahe grenzenlosen Verfügbarkeit hat sich auch die Präsentation verändert. Nun braucht man keine Räume mehr zu mieten, um eine Ausstellung zu organisieren. Die irgendwo in einem Gemeinderäumchen für kurze Zeit stattfindet und sowieso nur Freunde hinkommen. Selbst im Netz gibt es mehrere grundsätzliche Varianten, um eigene Bilder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Homepage oder eine der zahlreichen Community’s usw.
Verfügbarkeit auch im technischen Sinn. Die Bildbearbeitung. Sie ist zwar nicht einfacher geworden, doch kein Handwerk mehr. Und gleichbedeutend wie die öffentliche Präsentation physikalisch auf’s Minimum reduziert. Wer ein komplexes Fotoprogramm bedienen vermag, dem stehen alle Möglichkeiten offen.
Nun stellt sich allmählich die Frage, ob sich das Wesen der Fotografie im Zuge der Digitalisierung verändert hat.
Natürlich hat sich die Fotografie immer verändert. Seit den Boxenkameras zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist sie für die Masse erschwinglich. Und Qualität wird durch Technik definiert. Verfeinerung der Bildaufzeichnung, Handlichkeit der Geräte sowie Automatisierung und die Verfügbarkeit der Bilder.
Selbst die in Handy’s eingebauten Miniaturkamera’s bieten eine bessere Qualität, als es die ersten Fotopioniere – die sich noch mit Plattenkamera’s abmühten und das Silber aus Geldmangel vom Ehering abkratzten – für möglich hielten.
Na ja, ganz so dramatisch wird’s wohl doch nicht gewesen sein . . .
Die Digitalfotografie hat eine Eigenart : einerseits setzt auch sie auf die bisherigen Parameter der physikalischen Gesetzmässigkeiten, andererseits ist ihre Technik nicht einfach (wie es bisher der Fall war) eine Weiterführung des Bisherigen.
Doch dafür, dass sich ja im Grunde „lediglich“ das prinzipielle Aufnahmemedium, das Aufnahmeverfahren geändert hat, hat sich dennoch viel geändert. Nun, soll es nicht einfach um pro und kontra gehen, sondern darum, wie sich die Fotografie als Solches mitverändert hat. Diesem Thema werde ich mich in nächster Zeit vermehrt widmen.