Ist es möglich dass technische Aspekte das Empfinden von Ästhetik beeinflusst? Der traditionelle Vergleich Malerei – Fotografie könnte eine Antwort aus der Malerei auf die Fotografie übertragbar sein.

Und tatsächlich kann für die Malerei diese Frage beantwortet werden. Die Malerei kennt zwei Medien, das Papier und das Tuch. Das Medium ist also für die Bildwirkung ausschlaggebend. Natürlich kann man ein Gemälde abfotografieren und danach auf einem Bildschirm betrachten. Doch die Bildwirkung ist trotz identischem Bild nicht die Selbe.

Die Beschaffenheit der Oberfläche eines Mediums, die verwendeten Farben und Stifte sind immer stets Teil des künstlerischen Schaffens. Und innerhalb eines Rahmens der Möglichkeiten bewegt sich eine Kunstform.

 

Dies gilt zweifellos auch für die Fotografie. Doch während sich die beiden Medien der Malerei nie geändert haben, so haben sich die Medien für die Fotografie. Dabei handelt es sich nicht einfach um eine Möglichkeit der Wiedergabe, sondern um die materielle Essenz. Anders ausgedrückt : nach wie vor werden zwar Fotos ausgedruckt. Doch das Papierbild ist nicht mehr das prioritäre Medium, sondern mittlerweile die Alternative. Der Aufwand, hoch qualitative Abzüge aus digitalen Speichermedien herzustellen, ist nicht gering und die so genannte „Fine-Art“-Fotografie hat sich daher sogar spezialisiert, während es zu Zeiten der analogen Fotografie jedem Amateurfotografen ein schwergewichtiges Anliegen war, hoch qualitative Abzüge zu erhalten.

 

Doch rein künstlerisch erfährt die Fotografie eine Renaissance. Insbesondere die Amateurfotografie zeigt sich in allen Facetten und Viele streben einen hohen künstlerischen Wert in ihren Bildern an. Womöglich findet hier eine Gegenentwicklung zur Bilderflut statt. Aber auch – oder gar damit – zum stereotypen Ästhetikempfinden.

Das Verständnis über eine Fotografie, welches über die bloße optische Abbildung hinausgeht, hat wohl wieder einen größeren Kreis gefunden. Damit darf man die Entwicklung der Fotografie im Zuge der Digitalisierung nicht nur negativ sehen, sondern es lässt sich daraus durchaus auch etwas Gutes abgewinnen.

Darüber hinaus scheint nun endgültig festzustehen, in welchem Medium sich die Fotografie befindet. So lassen sich nicht nur Vergleiche mit der Malerei anstellen, sondern auch mit der Musik. Diese wurde ja schon viel früher als die Fotografie von der Digitalisierung „eingenommen“. Und auch in der Musik lebt die analoge Technik weiter. Dass man nun selbst in Großmärkten der Unterhaltungsindustrie wieder Vynil-Schallplatten erhält, hätte man vor Jahren bestimmt nicht gedacht. Doch der Vergleich mit der Musik hinkt etwas : Musik kann nur akustisch wahrgenommen werden und somit verändert sich der essentielle Meduimcharakter deswegen nicht. Doch auch für die Musik war die Digitalisierung verheerend und auch bei ihr war es die Eigenschaft der Verfügbarkeit, welche zu Veränderung der Hörgewohnheiten führte. Mit den Generationen verändert sich damit das Verständnis für das künstlerische Meduim.

Künste, die sich nicht digitalisieren lassen- wie etwa die Bildhauerei – werden wohl nie von einer solchen Entwicklung erfasst werden.

Wir lernen aus der Geschichte, dass auf Entwicklungen oftmals Gegenentwicklungen folgen. Doch auf die technische Entwicklung trifft dies meist nicht zu. Den der Mensch strebt geradezu nach Komfort. Und da bietet sich die Digitalisierung an- ja man kann sagen, die Verfügbarkeit sei ihre wesentliche Essenz. Um den Komfort zu sichern und ihn weiter zu entwickeln, ist sich der Mensch keinem Aufwand zu schade. Komfort bedeutet diesbezüglich weniger Aufwand in der Ausübung.

Verfügbarkeit hat aller Wahrscheinlichkeit einen erheblichen Einfluss auf unser ästhetisches Empfinden. Fest steht, Verfügbarkeit ist ein menschliches Bedürfnis . . .

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