Die technischen Unterschiede zwischen digitaler und analoger Fotografie (ich beziehe mich da auf KB-SLR) lassen sich in drei Bereiche unterteilen. Zum Einen das Fotografieren selber und zum Anderen die Ausgabe/Präsentation. Dazwischen die Aufarbeitung/Bearbeitung.
Qualitativ hochstehende Digitalfotografie verlangt sehr viel Aufwand und auch Kosten. Und zudem teilt sie auch die EDV-typischen Probleme. Wie etwa Sicherheit und Datenschutz.
Die technischen Aspekte sind das Eine. Mag es auch zu weit gegriffen sein, von einer „Veränderung des Wesens der Fotografie“ zu sprechen. Doch der Stellenwert und die Verwendung der Fotografie haben sich im Zuge der Digitalfotografie merklich verändert. „Verfügbarkeit“ meint diesbezüglich auch, dass nun alle Prozess-Schritte (von Aufnahme bis Ausgabe/Präsentation) mit im Verhältnis wenig Aufwand durchführbar geworden ist. Im Verhältnis zur analogen Fotografie, versteht sich. Da die Bilder von Beginn an auf digitalem Speichermedium, können alle folgenden Schritte am eigenen Rechner durchgeführt werden. Verfügbar in Echtzeit. Das ominöse Labor welches die Filme entwickelte und die Abzüge herstellte, ist aus der Lette verschwunden. Warten, ja auch das Vertrauen in die Laborarbeit, verschwand damit.
Geändert hat sich natürlich auch das Verständnis über die Technik. Durch die Verbreitung der Heim-PC’s kann das selbe Wissen über EDV für die Fotografie genutzt werden und das Wissen über chemo-optische Prozesse entfiel.
Ein einzelnes Pixel ist stets durch ein anderes ersetzbar. Dies eröffnet eine ungeahnte Dimension der Bildverarbeitung. Alles ist machbar, so die Devise. Störende Bildteile werden eliminiert, die entsprechenden Pixel ersetzt. Angespornt durch die Werbefotografie, eilen unzählige Hobbyfotografen dieser Vorgehensweise hinterher. Ein Foto muss „technisch perfekt sein“. Es muss „clean“ sein . . .
Dies paart sich mit der Präsentation der Bilder. Diese findet nun über eine eigene Homepage statt oder man besitzt einen Account in einer Community.
Werden Menschen dargestellt, so wollen sie möglichst vorteilhaft dargestellt sein. Da theoretisch von Jedem einsehbar der Internetanschluss besitzt, sollte das eigene Konterfei keine Mängel aufweisen. Ist ja auch verständlich.
Doch Viele sind sich leider kaum bewusst, dass es nur die richtige Web-Adresse braucht, um von der „ganzen Welt“ gesehen zu werden. Ob nun die eigens gemachten Bilder, oder sogar das eigene Konterfei. Das Internet macht Einem zur öffentlichen Person.
Während Datenschutz in der analogen Fotografie noch ein Randthema war, wurde es mittlerweile zu einem entscheidendem Bestandteil der Fotografie. Es geht um das juristische „Recht am Bild“. Während es in der analogen Fotografie schwerpunkmässig um die Rechte am Bild bezüglich des zu fotografierenden Objektes ging, verlagerte sich diese Thematik nun zum Recht am Bild selber. Denn Bilder sind nun Daten.
Demgegenüber stehe ich durchaus skeptisch. Einmal Fotos in’s Internet gestellt welche eine private Person zeigen, kann sich die betreffende Person nicht mehr dagegen entscheiden. So entfällt eine selektive Publikumswahl.
Selbstverständlich verhielt sich dies prinzipiell schon immer so. Doch da musste man die Bilder in aufwendigen Massenmedien wie Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften veröffentlichen. Besonders die Reportage-Fotografie beschäftigte sich mit dieser Thematik.
Meiner Ansicht nach fördert die Paarung Digitalfotografie und Internet die Eitelkeit. Psychologisch ist dies ja auch sehr verständlich. Doch aus künstlerischer Sicht frage ich mich da, welchen Einfluss dieses Phänomen auf das Verständnis über die Fotografie nimmt.