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Eine Auflistung sämtlicher möglicher Rollen würde den Rahmen eines Blogs freilich sprengen. Wie bereits erwähnt, können Rollen ebenso inhaltlicher wie konstitutioneller Natur sein. Konstitutionelle Rollen entsprechen denen von Berufen, Familien usw. Rollen, welche eng mit der äusserlich wahrnehmbaren Identität verknüpft sind. Dabei kann es sich auch um temporäre Identitätsindikatoren handeln (zB Beruf).

Inhaltliche Rollen (welche zugleich auch konstitutionelle Rollen sein können) werden Menschen oftmals dann gewahr, wenn sie in Gegenüberstellung äquivalenter Rollen stehen. Dies gilt besonders für jene welche sich im kulturellen, im interkulturellen aber auch im religiösen und politisch-ideologischen Rahmen bewegen.

Ein gläubiger, gar praktizierender Christ der auf einen ebensolchen Muslimen trifft und sie miteinander kommunizieren, nimmt für gewöhnlich seine spezifische Rolle ein. Das konkurrenzierende Verhältnis zueinander wird von diesen Rollen dann getragen und beide schöpfen aus ihrem argumentativen Vokabular.

Verschärft sich das konkurrenzierende Verhältnis der beiden, so geht ihre Rhetorik weit über religiöse Belange hinaus. Es offenbart sich dabei, dass Rollen stets miteinander verknüpft sind. Moralethische wie auch besonders politische Belange erweitern folglich das jeweilige Rollenbild. Dabei spricht man bestenfalls von Erweiterung des Themenkreis.

Die Frage, inwiefern Indikatoren einer Identität zur Rollenbildung und schlussendlich zur Meinungsbildung eines argumentierenden Menschen beiträgt, kann nicht mehr ignoriert werden.

Bereits Blaise Pascal der in seinen Pensées das (katholische) Christentum argumentativ verteidigt, offenbart sich an anderer Stelle in seinen Schriften wo er schrieb : „Alle Überlegungen unserer Vernunft laufen darauf hinaus, dem Gefühl nachzugeben“ (B.Pascal ‘Pensées’ ‘Nicht eingeordnete Papiere’/Serie XXIII)

Diese gewiss naiv geäußerte Aussage ist von elementarer Bedeutung. Damit relativiert Pascal zugleich seine Plädoyer’s. Dass Blaise Pascal mit dieser Aussage seine feurigen Plädoyer gleich selber relativiert, ist für uns von geringerer Bedeutung.  Die heutige Psychologie würde zudem diese Prämisse zu einem gewissen Grad bejahen und es erinnert mich indirekt wieder einmal mehr an „Motivation und Persönlichkeit“ von A.H. Maslow.

Und zwar viel weniger aufgrund seiner Motivationstheorie, sondern seines Begriffes wegen über „Selbstverwirklichung“. Dabei stellt sich für mich die dringende Frage, ob selbstverwirklichende Menschen viel weniger zur Determinierung ihrer Rollen aufgrund ihrer Identitäten neigen.

Auch selbstverwirklichende Menschen nehmen ihre Rollen ein. Doch mögen sich solche Menschen ihrer Rollen bewusster sein und sich auch „außerhalb ihrer Rollen, außerhalb ihrer Identität denken“.

Dies scheint angesichts der Erkenntnis dass Nicht-Selbstverwirklichende vielmehr auf ihre jeweiligen Rollen angewiesen sind zutreffen.

Alleine, in nächtlichen Stunden wie diesen braucht man keine Rolle anderen gegenüber einzunehmen. Könnte man überhaupt so weit gehen und kategorisch sagen „Sobald wir in Kontakt mit anderen Menschen treten, nehmen wir Rollen ein“? Auf kognitive Ebene bezogen, wäre dies durchaus zu bejahen.

Die Rollen sind vielfältig. So ist man etwa innerhalb der Familie Sohn, Tochter, Vater, Mutter, man ist Neffe, Enkel, Onkel, Tante usw. Man ist aber auch zB Stiefvater, Schwiegermutter, Schwiegersohn, Bruder, Schwester usw. Solche Rollen finden wir natürlich auch in der Arbeitswelt. Der „einfache“ Arbeiter, der Chef, das Kader (welche ja auch wiederum oft Chefs sind). In der Gegenüberstellung von Arbeitswelt und Familie erkennt man diesbezüglich leichtens, dass es zwei Grundkategorien gibt : hierarchische Rollenverteilungen und nicht-hierarchische.

Die rechtliche, die juristische Rollenverteilung ist also besonders in hierarchischen Systemen von Bedeutung, aber in letzter Konsequenz auch in nicht-hierarchischen.  Das Käufer – Verkäufer -Verhältnis etwa eines davon.

 

Doch Rollen haben mehr Gehalt als lediglich Macht oder Recht. Sie sind gerade auch inhaltlicher Natur. So nehmen in der Berufswelt Politiker, Künstler, Handwerker usw ihre Rollen ein. Diese Rollen sind oftmals von Stereotypen gezeichnet.

 

Interessant ist, dass der einzelne Mensch stets mehrere Rollen zugleich einnimmt. Ein Künstler kann also zugleich Ehemann, Vater, Käufer (& potenzieller Kunde), Verkäufer, Tourist usw sein. Vielleicht bekleidet er noch ein kommunal-politisches Amt; was also auch immer.

Wie sehr – das ist meine Themenfrage hier – definieren sich Menschen durch Rollen? Dienen sie bloß als rhetorisches Mittel, oder sind sie gar Teil der Identifikation? Wie sehr unterscheiden sich Menschen diesbezüglich?

Selber gehe ich davon aus dass sich selbstverwirklichende Menschen weniger aufgrund ihrer festen und temporären Rollen definieren.

Bei sich weniger selbstverwirklichenden Menschen fällt hingegen auf, dass Sie in Argumenten sehr oft auf die entsprechenden Rollen verweisen. Zur Klarstellung : das Maß der Selbstverwirklichung ist fliessend, man sollte diesen Begriff auch nicht allzu sehr werten.

Ein auffälliges Verweisen auf die Rollen anderer ist für mich ein deutlicher Hinweis auf mangelnde Selbstverwirklichung. Die Rollen dienen solchen Menschen also zur Identifikation. Von Belang scheinen bei solchen die jeweiligen Rollen. Das macht es für sie auch einfacher Recht und Unrecht voneinander zu unterscheiden.

Eine Thematik an die ich nächstes Mal anknüpfen werde.

Die Wahrnehmung über Welt geschieht durch unsere Sinne, durch das was wir fähig sind, wahrzunehmen. Doch nehmen wir ja nicht nur wahr, wir interpretieren, wir deuten auch. Unablässig. Und wir empfinden. Parallel dazu.

Und irgendwann trennen wir zwischen dem Wahrgenommenen, dem Empfundenen, dem Interpretiertem und dem Wissen. Wir kategorisieren, verwerfen und speichern. Zugeordnet nach Priorität. Prioritäten welche unterschieden werden in die welche Bedürfnisse fordern und die, welche nach Vernunft gesetzt werden. Manchmal sind sie miteinander konform, manchmal kollidieren sie.

Vor und nach diesen Vorgängen ist schlussendlich alles Wissen. Informationen. Durch unsereiner selbst erlebt, erarbeitet und verarbeitet. Bereit, bei Bedarf abgerufen zu werden.

So entstehen die „Ideen“ im Leben und die Verständnisse über die Welt. Wir wissen und ahnen, vermuten und vergewissern, dass Teile dieser Ideen und Verständnisse der Wahrheit entsprechen. „Suche nach Wahrheit“. Und in unserer Identität an die wir festhalten, selbst dann wenn sie verdrängt, verleugnet und verfälscht wird, sind wir uns nicht mehr so gewiss, ob die Wahrheit der Identität oder die der Welt außerhalb entspricht. Mechanismen treten in Kraft, um sich die Gedanken so einzurichten, dass sie im Verlauf immer mehr der Kompatibilität entsprechen. Wer könnte schon seine eigene Identität außerhalb der Wahrheit akzeptieren?

 

Wir ahnen, dass sich all diese Ideen, diese Vorstellungen und Verständnisse sich nicht miteinander vereinbaren lassen. Berufen uns bei Bedarf auf das Recht Individuum zu sein. Alles steht parallel zueinander. Im Drang nach Kompatibilität versuchen wir diesen verräterischen Mangel aufzuheben. Und fordern es Vernunft oder Empfinden, die Dinge isoliert zu betrachten, holen uns unerwartete Ereignisse für einem Moment lang aus diesen Mechanismen, so achten wir uns heimlich, die Verbindungen zwischen den isolierten Dingen aufrecht zu erhalten.

Doch stets empfinden wir dabei und alles was uns widerfährt, gründet in der Auffassung und in der Verarbeitung auf eben diesem Empfinden. So werden wir zu Wesen, die sich verleugnen, die sich hinter Ideen und Begründungen verstecken. Aber stets und unablässig im ambivalenten Begehren, dieses aufbrechen zu lassen.

Die Wahrheit lässt uns nicht wissen, wie sie beschaffen ist und wie sie sich erkennen lässt. Sie kommt nicht zu uns, wir müssen zu ihr. Gleichzeitig umgibt sie uns, in der Gewissheit, dass wir nicht gleichzeitig in alle Richtungen blicken können. So fangen wir das auf, was uns bleibt, strukturieren es, machen es konform.

Fotografie und Musik zeigen uns, dass die Verfügbarkeit ein wesentliches Bedürfnis darstellt. So kommt die Frage auf, ob denn Verfügbarkeit sogar ein allgemeines, ein grundsätzliches menschliches Bedürfnis ist. Nicht nur auf die mediale Technik wie der von Fotografie und Musik oder auch Filmen/TV beschränkt. Und wenn dies der Fall sein soll, ob sich dieses Bedürfnis in das noch allgemeinere, noch grundsätzlichere Bedürfnis nach Komfort einordnen ließe.

Es scheint, als liefen da mehrere Fäden zusammen. Zum Einen geht’s da um den funktionalen Aspekt der Verfügbarkeit, der klar für das menschliche Bestreben nach Komfort spricht.

Komfort im Funktionalem bedeutet jedoch nicht nur bloß ein höheres Maß an Bequemlichkeit, sondern auch Effizienz.

Dieses Phänomen kennen wir aus der Werbung. Die Produkte sollen uns nicht nur mehr Funktionen bieten, sondern gleichzeitig die Funktionen quasi „bündeln“. Diese funktionale Konzentration soll dann wiederum mehr Zeit für Anderes lassen. Die Prozesse, die Vorgänge, werden somit effizienter.

Dies beschränkt sich nicht nur auf die Unterhaltungsindustrie und Industrie für das Privatleben, sondern betrifft gleichermassen die Industrie und Wirtschaft im Gesamten. Effizienz bedeutet da schließlich höheren Produktionsausstoss.

Zum Anderen natürlich die Bequemlichkeit. Weniger Aufwand für’s Unangenehme ist da der offensichtlichste Aspekt. Doch, warum wollen wir auch den Aufwand für diejenigen Dinge, Tätigkeiten mindern, welche uns am Herzen liegen, Dinge die wir ja mögen? Oder nehmen wir einfach eine neue Technik zugunsten der Verfügbarkeit an? Also ohne ein absichtliches Streben nach noch mehr Komfort? Wenn wir etwas mögen, dann mögen wir es noch mehr, wenn damit weniger Aufwand verbunden ist. Sprich : die gleiche Tätigkeit etwas komfortabler.

Die Vermutung, dass Verfügbarkeit innerhalb der allgemeinen Strebens nach Komfort ein wesentliches Bedürfnis ist, bestätigt sich immer mehr. Die Fäden laufen da zusammen, in der Vergegenwärtigung dass Verfügbarkeit auch die Effizienz steigert. Insbesondere die Digitalisierung führte uns dies vor Augen.

Allmählich fragt sich, ob denn die Digitalisierung einen größeren Einfluss auf uns haben wird, als die vorangegangene Industrialisierung.  Lärmende, rauchende Maschinen sind uns zu offensichtlich. Die Waagschale zwischen dem was sie an Komfort bringen aber auch für Gefahren, scheinen wir gefunden, scheinen wir „stabilisiert“ zu haben.

Doch so unsichtbar verborgen wie digital gespeicherte Daten sind, scheinen es auch die damit möglichen einhergehenden Auswirkungen.  Dabei stellt das Internet lediglich ein Teil dieser gesamten Entwicklung dar.

So vielfältig und subtil sowie differenziert diese Entwicklung ist, ebenso gestaltet sich auch die Analyse  und Bewertung über sie.

Betrachtet man die Psychologie/Soziologie von ihrem entwicklungsgeschichtlichem Standpunkt aus, so erstaunt wie jung doch diese Disziplin ist. Erstaunen tut dies angesichts dessen, dass es die Disziplin ist, welche sich essentiell mit dem Wesen und dem Verhalten des Menschen auseinander setzt. Ebenso wie die Philosophie ist sie nicht an die Naturwissenschaft  oder ganz allgemein an technische oder politisch-strukturelle Entwicklungen gebunden. Die Psychologie/Soziologie hätte es also durchaus bereits in der Antike geben können.

Warum dem nicht so ist, dafür gibt es natürlich viele Erklärungen. Die meisten deuten darauf hin, dass es aus  thematisch-disziplinären Gründen gar nicht nötig gewesen sei, da Religion und Philosophie diesen Themenbereich abdeckten. Zumal war die institutionelle Religion in früheren Epochen einiges dogmatischer als heute. Da bliebe also die Philosophie.

In der Tat rückte in der römischen Philosophie der Mensch in den Vordergrund. Die ausgeprägte thematische Ethik deren floss sogar in unser modernes Rechtsverständnis ein. In der europäisch-westlichen Ethik ist also ein Teil der römischen Ethik übrig geblieben.

Obschon das Verhalten des Menschen stets Mittelpunkt philosophischer und religiöser Themen war, handelte es sich kaum um das, was wir heute unter Psychologie verstehen.

Bestand also kein Bedarf oder wurde dies dogmatisch-institutionell bewusst unterdrückt?

Eine mögliche Erklärung liegt im grundsätzlichem Menschenbild der früheren Epochen. Dabei geht es jedoch nicht darum, ob diese nun misanthropisch oder philanthropisch waren. Vielmehr war es die fehlende Einsicht, dass sich ein jeder Mensch aus sich selbst entwickelt.

Empirische Methodik und eben diese Einsicht erlaubten die moderne Soziologie/Psychologie. Und daher erstaunt es nicht einmal dass die Soziologie früher reifte. Der Weg zum Individuum führte also über’s Kollektiv. Erst wenn sich das Kollektiv aus den vorgefassten Gegebenheiten wie Herkunft, Stand usw loslösen ließe, wäre dies auch für das einzelne Individuum möglich. Nun handelte der Mensch nicht mehr aus dem Willen höheren Mächten und somit waren die Eigenschaften und Biografien der einzelnen Menschen  auch nicht mehr darauf zurück zuführen.

 

Entscheidend war das Recht. Die Besinnung darauf, dass das Recht nicht dem höher gestellten Stand vorbehalten sein kann markierte den Beginn der Individualisierung innerhalb der Gesellschaft. Recht bedeutet auch Freiheit und Freiheit bedeutet wiederum aber auch Verantwortung. Parallel dazu Macht. Während die Verantwortung in früheren Epochen einzig der institutionellen Macht vorbehalten war, so führte die Pluralisierung des Rechts zur Verantwortung des Individuum’s. Diese beiden Entwicklungen fanden also parallel statt und gingen miteinander einher.

 

Verantwortung kann aber auch ungemütlich sein, kann unbequem sein. Die Macht welche sich von der Institution zum Gewissen der Einzelnen verlagerte. Wer es also schafft, an das Gewissen der Einzelnen zu appellieren, besitzt Macht. Intuitiv spüren wir dies. Und nicht wenige möchten sich dem entziehen. dabei finden Mechanismen statt, welche denen sehr ähneln, denen man längst absagte. Dabei kollidiert man aber mit dem Recht.

So ist es also nicht erstaunlich, dass sich Erklärungsversuche über’s menschliche Verhalten vermehrt an uns nicht erreichbare Mechanismen orientieren.

Damit wird die Errungenschaft der Psychologie/Soziologie bedauerlicherweise vermehrt ausgeblendet. Der Mensch der handelt, weil es seine Attribute und seine Biografie es so aufdrängt. Die Delegierung der Verantwortung an höhere Mächte.

Sind wir also zivilisatorisch wirklich weiter als die Menschen früherer Epochen? Diese Frage kann nur für das einzelne Individuum beantwortet werden . . .

Es ist wieder mal soweit. Nacht.

Nachts ist man mehr alleine als am Tag. Oder ist es eher umgekehrt? Weil die Welt da draußen schläft und daher sowieso keine Aktivitäten stattfinden? Sowohl Tag als auch Nacht bieten Gründe des Empfindens von Einsamkeit.

Doch es gibt ja nicht „nur“ die physische Einsamkeit. Die Einsamkeit welche in der Regel Kontaktlosigkeit meint. Und zudem noch bezüglich spezifischer Bedürfnisse. Ob sozialer, ob zwischenmenschlicher Natur.

Zweifellos gibt es verschiedene Formen der Einsamkeit. Empfunden wird sie seelisch, geistig. Gibt es auch quasi inhaltliche Form von Einsamkeit? Also dann, wenn sie nicht auf physischer, auf quantitativer Ebene empfunden wird?

Gewiss.

Zum Beispiel in Trauer oder gar innerhalb einer zwischenmenschlichen, partnerschaftlichen Beziehung kann Einsamkeit durchaus intensiv empfunden werden. Gerade kann etwa körperliche, physische Nähe erst Recht Einsamkeit hervorrufen. Und eine Form von geistiger Einsamkeit ist das nicht verstanden werden. Im Zeitalter des Individualismus und der gleichzeitigen Interessenkollisionen ist diese Form der Einsamkeit ein unsere Gesellschaft prägendes Phänomen geworden. Und man könnte nun darüber debattieren, ob denn Individualismus zwangsläufig zu Interessenkollisionen führe. Nahe liegt es jedenfalls.

„Don’t let me be misunderstood“ sang auf seinem Debüt einst Joe Cocker. Im Original von Eric Burdon’s The Animals. Wenn auch nicht ganz so gemeint wie hier, und so lauten passenderweise andere Titel des Albums „With a little help from my friends“ oder „Do I still figure in your life?“. Ich mag das Album. Und nicht vorzugsweise weil Jimmi Page (Led Zeppelin), Matthew Fisher (Procol Harum) oder Steve Winwood darauf mitwirkten. Nein, weil es eine so herrliche Mischung aus Melancholie und Enthusiasmus verströmt. Man kann sich richtig vorstellen wie Cocker bei den Aufnahmen mit den Armen ruderte; bekanntermassen sein Markenzeichen neben seiner Stimme.

Sind wir eine Gesellschaft von Missverstandenen? Unverstanden obschon wir doch so zahlreiche essentielle Bedürfnisse teilen? Über solche Fragen zerbrechen sich Soziologen jahrelang die Köpfe.

Provokanterweise müsste man schon beinahe fragen, ob denn das Recht auf individuelles Bedürfnis Einsamkeit erst ausgeprägt schaffe. Nein, von diesem recht können und sollen wir nicht abkommen. Das Individuum steht sonst schon genug im Konflikt mit dem Kollektiv. Auf welche Verbindlichkeiten ließe sich da noch einigen?!

Wir alle besitzen unser Empfinden und unser Denken nur für uns selbst. Das Gesagte, das Geschriebene – ja und natürlich das Verhalten selber – die Handlungen dringen nach außen. Als wäre ein Individuum ausschließlich eine Mischung aus Eigenschaften und Handlungen. Nein, wir sind auch Denkende, sind Empfindende.

Das Leben findet im Sein statt. Man empfindet, man denkt das Leben, die Welt. Man nimmt es wahr, man verarbeitet es.

Isoliert von all dem was nach außen dringen kann, befinden sich die Gedanken.

Ja gewiss, sie lassen sich austauschen.

Doch kann man nur für sich selber denken. Und so wie dies ein ungeheuerlicher Gewinn ist, so kann es auch zum Verhängnis werden.

Wenn die konkreten Gedanken der Menschen nicht unterschiedlicher sein könnten, wenn wir auch manchem Gegenüber dem wir in unserem Leben begegnen nicht verstehen, so ist uns doch dieser Umstand der Isolation der Gedanken gemeinsam.

Jeder denkt für sich.

Alle zusammen.

Hoffen wir es zumindest . . .

 

Glauben wir doch weiterhin an die Illusion, verlieren wir nicht den Enthusiasmus.

„How do I feel at the end of the day?“

- „Are you sad, ’cause you’r on your’ own“

Kann etwa eine eigentlich herausragende menschliche, charakterliche Eigenschaft zum Nachteil werden? Kann eine solche löbliche Eigenschaft gar auch Böses fördern? 

Auf Gutes muss nicht zwingend Gutes folgen. Diese Erkenntnis ist dafür ausschlaggebend.

Kaum je würden wir Jemandem eine schlechte Charaktereigenschaft, ein schlechtes Verhalten empfehlen. Und die Erkenntnis dass auf Gutes nicht zwingend Gutes folgen muss erinnert und verführt gerade zu zur Eitelkeit des Nihilismus. Doch ist es nicht nur der Dualismus zwischen dem Guten und dem Schlechten, sondern die Erkenntnis kann auch dann zutreffen, wenn Gutes auf Gutes stösst. So geht es also viel weniger um eine weltanschauliche Übermacht des Schlechten, noch um eine Nihilierung von Werten und Grundsätzen.

Allmählich kristallisiert sich heraus, dass es um Zusammenhänge geht. Das Phänomen, etwas als „gut“ zu befinden und dem dennoch sehr kritisch gegenüber zu stehen, ist wohl allen bestens bekannt. Und eben darin liegt der Kern . . .

„Horror Vacui“ beschreibt die „Furcht vor der Leere“. Konkret war ursprünglich mit diesem Begriff gemeint, die Natur neige dazu Leerräume aufzufüllen.

Und die Befürworter dieses naturalistischen, metaphysischen Grundsatzes sollten später durch die moderne Naturwissenschaft Recht behalten. Dank Vakuumflukation und materienlosen Wellen/wechselwirkende Felder welche ein Vakuum durchziehen.

Doch das „horror vacui“ besitzt noch eine weitere Bedeutung: Die Bedeutung des „horror vacui“ lässt sich h also auf den Menschen übertragen. Und zwar gar noch im mehrfachen Sinn.

1. Wir handeln immer, sind immer irgendwie tätig

2. Wir sind (im Wachzustand) immer in Wahrnehmung

3. Wir befinden uns permanent in einem/dem Verhalten

4. Wir haben immer Ziele oder Gründe für unser Handeln (wen diese sich auch oft erst in der Rekonstruktion offenbaren)

 

Punkt 1 trifft prinzipiell auf die ganze Natur zu. ja, sogar auf das kosmologische Gebilde, auf den Kosmos. Es ist immer und überall etwas „tätig“.

Also doch „panta rhei“? Im kosmologischen Kontext betrachtet, ergänzen sich „panta rhei“ und „horror vacui“ verblüffend! Ist das eine sogar Enität für das andere?

Und bestätigen Erkenntnisse aus Physik (zB Gravitation), Chemie und Biologie (zB auf molekularbiologischer Ebene) nicht deren Allgegenwärtigkeit? Eine Art begriffliche, erkenntnistheoretische Naturkonstante?

 

Der zweite Punkt sollte uns ja gewiss sein. Wir nehmen unablässig wahr. Entsprechend der dritte Punkt. Von den Vertretern des Determinismus wird er gerne als Argument angeführt. Doch fälschlicherweise, denn dass wir uns permanent im Verhalten und Handeln befinden, sagt noch nichts darüber aus, ob wir einen freien Willen besässen. Oder eben nicht. Denn dieser Punkt ist auf den ersten zurückzuführen. Aber dennoch ist er getrennt davon zu betrachten. Entscheidend dafür ist der Umstand, dass wir unser Verhalten/Handeln bewusst sind. Oder zumindest es uns bewusst sein können.

Wenn wir von Ereignissen sprechen, sie thematisieren (und sei es auf noch so trivialer Ebene), so sprechen wir auch darüber, was wohl zu diesen Ereignissen geführt haben mag. Die Gegebenheiten, die Umstände, die möglichen Motivationen, Beweggründe und natürlich die Folgen.

Sprechen wir über Handlungen/Verhalten, so werten wir auch darüber. Und in diesem Werten erwähnen wir auch stets Alternativhandlungen anhand von Beispielen.

Auffällig ist, dass wir beim thematisieren über Handlungen intensiver und vor Allem noch mehr, also quasi „gegebener“ werten. Es scheint beinahe eine Enität zu sein über Handlungen zu urteilen.

 

Könnte man sagen : je näher der Mensch sich selber stellt, desto weniger vermag er sich aus Distanz zu betrachten? Sogar die Jurisprudenz hat sich diesem Gedanken angenommen und den Begriff „Befangenheit“ eingeführt.

Das „horror vacui“ erfüllt also auch in der Ethik den Zweck. Im zeitlichen Kontext Vergangenheit – Jetzt – Zukunft offenbart sich das „horror vacui“ als sinngebend. So können wir Handlungen rekonstruieren (Vergangenheit), aber über sie auch hypothetisch urteilen (Futur).

Dagegen wähnen wir uns im Abwägen über Handlungen im Jetzt auffälligerweise in der Tat „befangen“. Oder : am meisten, am intensivsten befangen.

Immer wieder stellen wir uns fragen über’s Verhalten. In der Regel tun wir dies anhand Geschehenen, aufgrund sich ereigneter Situationen.

Sehr schnell verfängt man sich dabei im Positionen zu beziehen. Denn aufgrund bereits bestehender Positionen fällt es und einfacher zu werten.

Doch nicht nur das. Fragen über’s Verhalten sind uns auch Fragen über Identität.

Ja, wir koppeln Verhalten direkt an Identität. Und je mehr man von von der Situation selber betroffen ist, und je mehr es gar um’s eigene Verhalten geht.

So scheint es beinahe, als wäre Verhalten durch Identität gerechtfertigt.

Und argumentativ erklären wir dies per Recht. Quasi : „ich bin ich und habe das Recht zu handeln“. Die Identität scheint uns nicht mehr tiefer ergründbares Konstrukt des eigenen Sein’s. Identität und Sein werden somit gleichgesetzt. Doch ist dem auch so?

 

Mit „Identität“ lässt sich Vieles assoziieren, beinhaltet manche Elemente, einige Faktoren. In Fragen um Verhalten lässt sich nicht mehr weiter ergründen als Identität. Sie begründet das nicht mehr brechbare Koordinatennetz. Sie ist sowohl der Raum, die Zeit, als auch Herkunft, Kultur, Bildung und somit Prägung, als auch Beschaffenheit.

Rechtfertigt dies unser Handeln, unser Verhalten?

Oder entsprechen diese Koordinaten nur einem Konstrukt? Neigen wir daher so zum abstrahieren unseren Sein’s, damit wir dieses Konstrukt direkt in die Erklärungsversuche übertragen können?

Fest steht : wir sind unsere Identität.

Ist also Identität das Sein? Oder gründet dies noch tiefer als die konstruirbare und damit im Bewusstsein erfassbare Identität?

 

Tatsache ist, dass sich über die Elemente der Identität auch einfacher Positionen erstellen lassen. Ob Herkunft, Kultur usw.

Solche Positionen erst einmal gegenübergestellt, konfrontieren sich auch. Niemand besitzt die gleichen Koordinaten. Tatsache ist und bleibt aber auch, dass wir uns über diese Koordinaten der Identität zu einem wesentlichen Teil definieren.

 

Doch diesen Faktoren des Sein’s steht etwas anderes gegenüber : das in der Welt übergeordnete Sein. Tatsache ist, dass unsere jede Identität auf diesem übergeordnetem Sein beruht. Wir nennen es Natur, wir nennen es Gott.

Wir nennen es das Gute. Wir nennen es Wahrheit.

Gründend im urmenschlichem Bewusstsein der Abstraktion zwischen Wahrem und Unwahrem, zwischen Wahrscheinlichem und Unwahrscheinlichem, zwischen Hypothese und Realität, ist uns das Übergeordnete verinnerlicht. Dies bewegt uns zur Spekulation über das was uns nicht, uns noch nicht, gewahr ist.

Dem Allem gegenüber steht unser Sein. Welches wir über unsere Identität definieren und versinnbildlichen, gar konstruieren. 

Ein Phänomen macht sich nun bemerkbar : je tiefer und je gleichzeitig übergeordneter wir ergründen, desto schwerer fällt uns die Abstraktion. Die Dinge, die Faktoren und Aspekte verschmelzen. Zu einem Ganzen.

Die Frage nach Kohärenz zwischen Identität und dem Guten im Verhalten, lässt sich immer weniger trennen.

Was übrig bleibt ist das Sein. Das Sein, auf subtilster Stufe welches sich nicht mehr weiter ergründen lässt.

Dieses Sein ist uns gewahr, lässt sich nicht leugnen, es lässt sich nicht darüber verhandeln.

Dieses Sein lässt uns den Handlungsspielraum offen, welches sich innerhalb der Identität bewegt.

Der Mensch besitzt eine besondere Eigenschaft. Er will das Gute.

Völlig unabhängig davon was man als „gut“ bezeichnet, ist das Gute stets das zu erreichende Ideal. Manchmal handelt es sich um utopische Idealvorstellungen, manchmal um Abwägung aus Situation, Perspektive und dem Wünschenswertem. Aber es selbst Diejenigen welche das Ungute für Gut halten. Ganz bewusst. Dies wird oft mit Ablehnung zu gesellschaftlichen Konventionen erklärt. Oder auch mit Motivation für Verwerfliches. Doch Tatsache ist, dass auch ein Solcher das Schlechte als das Gute bezeichnet, er hält er für gut, das Schlechte zu zelebrieren usw.

 

Das Streben nach dem Guten ist das Streben nach dem Ideal, nach Komfort, nach dem besseren Zustand. Rhetorisch-argumentativ gerechtfertigt mit Existenzsicherung. Mit dem Recht auf Existenzsicherung.

Ob es um juristische, soziale Gerechtigkeit, um erkenntnistheoretische Wahrheit, um politische Regelungen handelt : die Nennung, die Motivation und Berufung auf das Gute stets als oberste Verbindlichkeit.

Ist es also ein Mangel, eine menschliche Tragödie stets nach dem Guten zu trachten, sich aber nie darin einig zu sein, was denn nun das Gute sein soll? Sich in Interessekonflikten zu zermartern, nur weil die perspektivischen Positionen anders sind? Dem Anderen seine Identität in Frage zu stellen, weil diesem in der Definition und Vorstellung über das erstrebenswerte Gute anderes vorschwebt?

Aber warum denn das Streben, der Drang nach dem übergeordnetem Guten? Sollten wir diese Vorstellung, dieses Streben zu Gunsten des Friedens wohl besser aufgeben? Denn unsere Interessenkollisionen führen ja unweigerlich zu Auseinandersetzungen. Führen dazu, dass wir in der Umsetzung im „Mittel zum Zweck“ das Gute manchmal ignorieren, manchmal treten und bewusst verleugnen müssen.

„Müssen“ wir? Oder dürfen wir?

Ist unser soziologischer, politischer und auch technischer oder mentaler Fortschritt nicht selbst gewählt? Eben im Streben nach dem Guten?

 

Selbst diese Fragen verlangen nach sorgfältiger Abwägung! Wir können gar nicht anders, als uns gute Zustände zu wünschen! Wir können gar nicht anders, als unsere jeweilige Interessen und Motivationen als die Erstrebenswerten zu empfinden.

Daher : aufgeben und verwerfen sollten wir dieses Streben gar nicht! Sondern es uns attestieren und auch Denen die mit unseren Interessen kollidieren.

Das Allem übergeordnete, das allgergrundsätzlichste Gute ist somit ontologischer Natur. Ist tiefster Sinn unser aller Motivation. Es befindet sich auf einer Stufe, auf welcher noch nicht gewertet wird.

Dies erklärt auch die darin enthaltene Tragik.

Tragödien welche im Namen und auf rhetorischer Berufung auf das Gute geschahen und geschehen. Ernüchternd erklärt es auch, weshalb auf Gutes nicht immer Gutes folgt. Erst dies erklärt es, warum wir Menschen zu Handlungen fähig sind, welcher jedem Sinn für Gerechtigkeit spotten. Weil wir grundsätzlichst die Interessen und weiteren Motivationen automatisch für gut halten, weil wir nach dem Guten streben.

„Ich möchte Gutes für mich“ und „Ich möchte Gutes für Euch“, simpelste rhetorische und gleichzeitig schlagkräftigste Begründung für jegliches Handeln.