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„Horror Vacui“ beschreibt die „Furcht vor der Leere“. Konkret war ursprünglich mit diesem Begriff gemeint, die Natur neige dazu Leerräume aufzufüllen.

Und die Befürworter dieses naturalistischen, metaphysischen Grundsatzes sollten später durch die moderne Naturwissenschaft Recht behalten. Dank Vakuumflukation und materienlosen Wellen/wechselwirkende Felder welche ein Vakuum durchziehen.

Doch das „horror vacui“ besitzt noch eine weitere Bedeutung: Die Bedeutung des „horror vacui“ lässt sich h also auf den Menschen übertragen. Und zwar gar noch im mehrfachen Sinn.

1. Wir handeln immer, sind immer irgendwie tätig

2. Wir sind (im Wachzustand) immer in Wahrnehmung

3. Wir befinden uns permanent in einem/dem Verhalten

4. Wir haben immer Ziele oder Gründe für unser Handeln (wen diese sich auch oft erst in der Rekonstruktion offenbaren)

 

Punkt 1 trifft prinzipiell auf die ganze Natur zu. ja, sogar auf das kosmologische Gebilde, auf den Kosmos. Es ist immer und überall etwas „tätig“.

Also doch „panta rhei“? Im kosmologischen Kontext betrachtet, ergänzen sich „panta rhei“ und „horror vacui“ verblüffend! Ist das eine sogar Enität für das andere?

Und bestätigen Erkenntnisse aus Physik (zB Gravitation), Chemie und Biologie (zB auf molekularbiologischer Ebene) nicht deren Allgegenwärtigkeit? Eine Art begriffliche, erkenntnistheoretische Naturkonstante?

 

Der zweite Punkt sollte uns ja gewiss sein. Wir nehmen unablässig wahr. Entsprechend der dritte Punkt. Von den Vertretern des Determinismus wird er gerne als Argument angeführt. Doch fälschlicherweise, denn dass wir uns permanent im Verhalten und Handeln befinden, sagt noch nichts darüber aus, ob wir einen freien Willen besässen. Oder eben nicht. Denn dieser Punkt ist auf den ersten zurückzuführen. Aber dennoch ist er getrennt davon zu betrachten. Entscheidend dafür ist der Umstand, dass wir unser Verhalten/Handeln bewusst sind. Oder zumindest es uns bewusst sein können.

Wenn wir von Ereignissen sprechen, sie thematisieren (und sei es auf noch so trivialer Ebene), so sprechen wir auch darüber, was wohl zu diesen Ereignissen geführt haben mag. Die Gegebenheiten, die Umstände, die möglichen Motivationen, Beweggründe und natürlich die Folgen.

Sprechen wir über Handlungen/Verhalten, so werten wir auch darüber. Und in diesem Werten erwähnen wir auch stets Alternativhandlungen anhand von Beispielen.

Auffällig ist, dass wir beim thematisieren über Handlungen intensiver und vor Allem noch mehr, also quasi „gegebener“ werten. Es scheint beinahe eine Enität zu sein über Handlungen zu urteilen.

 

Könnte man sagen : je näher der Mensch sich selber stellt, desto weniger vermag er sich aus Distanz zu betrachten? Sogar die Jurisprudenz hat sich diesem Gedanken angenommen und den Begriff „Befangenheit“ eingeführt.

Das „horror vacui“ erfüllt also auch in der Ethik den Zweck. Im zeitlichen Kontext Vergangenheit – Jetzt – Zukunft offenbart sich das „horror vacui“ als sinngebend. So können wir Handlungen rekonstruieren (Vergangenheit), aber über sie auch hypothetisch urteilen (Futur).

Dagegen wähnen wir uns im Abwägen über Handlungen im Jetzt auffälligerweise in der Tat „befangen“. Oder : am meisten, am intensivsten befangen.