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Der gegenwärtige Konflikt in Georgien zeigte einmal mehr wieder wie sehr Positionen vielmehr aus Identifikation als aus ethischen Überlegungen bezogen werden. Ethisch ganz im Sinne des philosophischen Werten’s.

Es scheint, als seien für politische und gesellschaftliche Überlegungen einzig die Identifikation ausschlaggebend. Quasi : „bin das, so bin ich automatisch gegen all das, was nicht kohärent ist“ oder : „Was nicht den eigenen Interessen entspricht, ist Widerspruch“. So stellen sich die US-Amerikaner etwa nicht gegen den russischen Eingriff weil sie prinzipiell gegen eine solche Vorgehensweise wären, sondern weil Georgien in ihrem geopolitischen Interesse steht. Umgekehrt das Selbe für Russland. Diese nehmen nicht Stellung für SüdOssetien, weil ihnen diese etwa sympathisch wären, sondern gleich den Amerikanern aus geopolitischen Interessen.

Doch der Konflikt im Kaukasus wiederspiegelt lediglich das, was uns längst verinnerlicht ist. Nämlich das Urteilen, das Werten gemäss dem Prinzip „Das Mittel heilt den Zweck und der Zweck ist das eigene Interesse“.

Es stimmt bedenklich, wenn dies zur einzigen Grundlage unseres Urteilens würde . . .

Wenn etwas schief lief, etwas hätte besser gemacht werden können, so ist dies unser gutes Recht darauf hinzuweisen.

Die Politik bestimmt wie wir leben. Und somit betrifft uns dies natürlich. Es betrifft uns besonders dann, wenn da Bestimmungen in Paragraphen gemeiselt wurden, die uns nicht behagen uns, sogar zu beschränken scheinen. Ja, und es ist unser gutes Recht, darauf hinzuweisen.

Nur manchmal frage ich mich warum so viele Zeitgenossen dazu neigen, in ihrer Kritik stets verwerflichste Absichten zu äussern. Denen gegenüber welche für die Bestimmungen verantwortlich waren. Doch nicht nur Politik betrifft dies, nein auch die Wirtschaft, religiöse institutionelle Protagonisten, die Judikative, und sogar Künstler.

Hatte also jemand etwas so gemacht wie man es nicht hätte tun sollen und ist dessen Tat sogar tatsächlich moralisch-ethisch fragwürdig, so wird mit Kritik an dieser Person nicht gespart.

Nahm jemand Geld an, so ist es natürlich gleich Schmarotzer. Ein Politiker der eine falsche Entscheidung traf, selbstverständlich nicht mehr tragbar und seines Amtes unwürdig. Sagen Manche.

 

So kommt es einem vor, als sei man in Zeit zurückversetzt und befände sich  mit Sense bewaffnet vor der Bastille. Nieder mit dem System! Und in der Tat richtet sich die Kritik nicht nur mehr an Einzelpersonen welche sich masslos bereichern und sowieso verwerflichster Natur sind, sondern eben auch an das System. Denn – so denken manche – wenn Falsches geschieht, so muss ja auch das System falsch sein. So hat sogar Manchen die Demokratie ausgedient weil auch unter Demokratie Ausbeutung oder masslose Bereicherung geschehen kann. Es wird Heil versprochen, aber das Heil trifft nicht ein. Sagen Manche. Es wird Gerechtigkeit versprochen, aber Ungerechtigkeit geschieht. Sagen Viele. Und nicht zu leugnen, dass dem auch so ist.

Und so schwingen wir aufgebracht unsere Sense Richtung Establishment. Doch da der König nun längst tot ist, brauchen wir keine Sensen mehr zu schwingen. Und auch das Establishment kann sich nicht mehr alleinig durch Genealogie rechtfertigen, sondern muss sich ebenso durch Leistung und Taterfüllung beweisen.  Falls nicht – Adieu!

Die Guillotine der heutigen Zeit, das sind die Medien. Medien im weitesten Sinne. Und der Henker das sind wir, das Volk.

Freiheit bedingt Verantwortung.

Doch worin liegt diese so viel gerühmte Verantwortung? Im Missstände aufdecken? Sich reflexartig auf die Seite der "Guten" zu stellen? Ohne Garantie auch   in diesem scheinbar verschworenen Grüppchen der "Guten" Missstände anzuklagen, wenn’s sein muss? Die "Guten" sind nichts anderes als Diejenigen, welche unsere Ansichten über guten Absichten teilen.

Doch "gute Absichten", ist etwas das sich ja im Prinzip Jeder attestiert. Und sei es nicht über die Motivation oder Handlung, sondern über Rechtfertigung an’s Recht überhaupt handeln zu dürfen. Ja, man hat ein Recht auf’s Recht!

Ja, der Mensch hat ein Recht auf’s Recht. Und eine zweite Maxime begleitete das aufklärerische philanthropische Menschenbild : ein Mensch ist an seinem Handeln zu messen.

Nicht aufgrund seiner Herkunft, nicht aufgrund einer Mitgliedschaft! Erst dieses aufklärerische Credo über das Verständnis des Menschen machte uns gleich vor dem Gesetz.

Also konsequenterweise eben doch "Guillotine für den König!"?

So war klar, dass es das Ausmass und die Motivation sei, welches den Wert einer Handlung bestimmen würde. Und in der Frage, was den Menschen zu seinem Handeln treibt, kam man zum Inneren des Menschen. Seine Psyche.

Und in diesem Spannungsfeld wähnen wir uns als ewige Mahner. Wir sehen uns in der Rolle eines Oliver Cromwell und noch lieber in der von Voltaire.

Doch fragen wir uns überhaupt noch, ob Kritik eine Frage des Recht’s ist oder eine Frage der Verantwortung?

Fragen wir uns überhaupt noch ob wir unsere eignen Propheten verstehen? Die Namen der Aufklärer und die Humanisten vergangener Epochen und Dekaden scheinen uns schnell von der Lippe zu kommen. Und wie Tauben hingeworfene Brotkrümel, picken wir einzelne Aussagen aus deren Werke heraus, untermauern damit unsere Aussagen. Machen sie uns eigen. Doch ob wir deren Worte wirklich verstanden haben zeigt sich darin, wie opportunistisch wir mit deren Aussagen unsere Ansichten untermauern. Oder eben nicht.